Was ist eigentlich "Pulverlackieren"?  
    Als Alternative zum herkömmlichen Nasslackverfahren, bei dem mit Lösemitteln verdünnter Lack flüssig aufgetragen wird, besprüht man beim Pulvern die entfetteten Teile mit Hilfe eines fein zerstäubten trockenen Pulverlackes. Dabei haftet das elektrostatisch aufgeladene Pulver gleichmäßig an den geerdeten Werkstücken. In einem nachfolgenden Einbrennprozess (160-200°C, ca. 15min Objekttemperatur) wird das Pulver mit der Werkstückoberfläche verschmolzen und bildet eine relativ dicke (bis 150 µm) und hochwiderstandsfähige Lackschicht.
    Vorteile des Pulverlackierens
   
Nach dem thermischen Aushärten ist der Lack sofort voll belastbar, d.h. geringe Kratzanfälligkeit und eine sofortige Weiterverarbeitung ist möglich.
Ohne „Tropfenbildung“ sind deutlich höhere Schichtstärken in einem Arbeitsgang möglich (bis 180 µm).
Auch schwer zugängliche Hohlräume werden beschichtet.
Da völlig ohne Lösemittel gearbeitet wird, entfallen teure Lackschlammentsorgung und umweltbelastende Lösemittelemissionen.
Die gepulverte Oberfläche ist kratzfest, lösemittelbeständig sowie schlag- und stoßfest
Pulverlacke sind erhältlich in allen RAL-Tönen, Sanitärfarben und vielen Sonderfarbtönen.
Es stehen Grundier-, Effekt- und Klarlackpulver, sowie Qualitäten in den unterschiedlichsten Glanzstufen und Strukturarten zur Verfügung.
Pulverlackierungen werden derzeit in allen Bereichen der Technik, im Möbelbau, Fenster- und Fassadenbau, Karosseriebau, Maschinenbau, sowie in der Elektrotechnik mit zunehmendem Erfolg eingesetzt und gelten als Qualitätsmerkmal für farbbeschichtete Produkte.
    Nachteile des Pulverlackierens
    Als wesentlicher Nachteil ist die im Vergleich zum Nasslack deutlich höhere Aushärtetemperatur von bis zu 200°C zu sehen - so werden bisher überwiegend Metallteile aus allen Bereichen erfolgreich gepulvert. Die Praxis mit Kunststoffen oder Holzwerkstoffen ist aufgrund auch der mangelnden Leitfähigkeit, erst im Anfangsstadium.



  Vorbehandlung  
    Die sorgfältige Vorbehandlung der zu pulvernden Flächen ist Voraussetzung für die dauerhaft perfekte Oberfläche. Deshalb wird zunächst der alte Lack restlos von den Teilen entfernt. Ob dies durch Strahlen (Glasperlen, Granulat oder Sand) oder chemisches Entlacken geschieht, hängt von Teilegeometrie, Lackart und Rostbefall ab. Die so entstandenen oder neuen metallisch blanken Oberflächen werden nun entfettet und entweder Fe-phosphatiert (Stahl) oder chromatiert (Aluminium) um eine optimale Konversionsschicht (=Haftvermittler) zu erhalten. Nach dieser Behandlung dürfen die Teile nicht mehr angefasst werden und sind zum Beschichten optimal vorbehandelt.
    Pulverbeschichtung
    Die Applikation des (fertig vom Hersteller angemischten) Pulverlackes kann in verschiedenen Verfahren erfolgen – wir setzen erfolgreich auf die Elektrostatik. Dabei hängt das zu beschichtende Werkstück geerdet an einem Gehänge. Das mit der Pistole aufgetragene Pulver wird elektrostatisch aufgeladen und so vom Werkstück angezogen. Dadurch entsteht ein auch in faraday`schen Käfigen gleichmäßiger Lackauftrag, der selbst entlegenste Winkel und Hohlräume erreicht.
Die Auftragsstärke variert zwischen ca. 20 und 180 µ Schichtdicke und wird anschließend im Ofen bei Temperaturen von etwa 170-205 Grad Celsius (Objekttemperatur) eingebrannt. Dabei entsteht eine feste Verbindung zwischen der (optimal vorbehandelten…) Fläche und dem eingebrannten Pulverlack.
Unmittelbar nach dem Abkühlen ist der Aushärteprozess vollständig abgeschlossen und die nun ausgesprochen schlag- und kratzfeste Oberfläche kann sofort belastet (in der Regel transportiert und/oder montiert) werden.
    Anwendungsgebiete
    In Abhängigkeit von den unterschiedlichen Beanspruchungsarten kommen verschiedene Lacksysteme zum Einsatz. Dies sind im wesentlichen:

Polyestersysteme für alle UV-Strahlungsbeanspruchten Teile wie z.B. Fassaden, Außentüren, Fensterprofile, Balkongeländer, Spielgeräte, Fahrzeug/Motorradrestauration, Alu/Stahlfelgen, Fahrrad/Motorradrahmen etc.

Epoxy-Polyestersysteme für alle Innenanwendungen wie Büromöbel, Messebau, Ladenbau, Werkbänke, Garderoben, Praxiseinrichtungen, Displayständer etc.

Epoxydpulversysteme für ausgesprochen hohe Chemikalienbeständigkeit z.B. in Ölauffangwannen, Spänemulden, Laboreinrichtungen, Maschinenteilen, Arztpraxen etc.
Alle Systeme zeichnen sich durch gute Verarbeitbarkeit und die Möglichkeit aller RAL-Farben aus. Bei den Polyestersystemen sind ausserdem unzählig viele Spezialeffekte wie Glittereffekte, Leuchtfarben, Sanitärfarbtöne und Kombinationen von Grundlacken mit Klarlacken möglich.
Generell wird die Kombination aus Farbton (RAL), Oberflächenart (Struktur, Glatt oder Feinstruktur-Lack) und Glanzgrad (hochglänzend bis stumpfmatt) in Summe auch höchste Ansprüche an eine perfekte Pulverlackierung erfüllen.